Tag 1 - 27. August 2026 - Interlaken zum Obsee

Jetzt bin ich in der Schweiz. Lange geplant und wieder verworfen, da die Wetterprognosen so nass waren. Der Zug fuhr früh um 4:30 Uhr und sollte direkt nach Interlaken gehen. In Basel war dann Endstation, weil ohne ein bisschen Theater macht sie es nicht die Bahn. Die Schweizer Kollegen haben es ausgebügelt und mit 2x Umsteigen bin ich pünktlich in Interlaken.

Ich könnte jetzt aus dem Bahnhofportal nach rechts fahren und in 10 Tagen zu Hause sein. Oder links in die Berge rein. Es scheint die Sonne und es geht nach Plan A ins Graubündner Land.

Die Luft ist so schwül, dass ich mir ein Gewitter wünsche. Das kommt morgen Nachmittag und bis dahin sollte ich den nächsten Zeltplatz ansteuern um mich rechtzeitig Regenfest zu machen.

Heute sind es nur wenige Kilometer zum Warmwerden.

Der Camping am Obsee ist superhübsch und ich zelte direkt am Ufer. Ich bin nicht so mit Wasser, aber die schwüle Hitze hat mich in den See getrieben. Mütchen kühlen.

Morgen ist richtig doof Wetter angekündigt. Wenn ich Glück hab, dann geht das große Getöse erst 14:00 Uhr los. Ich habe nur 60km und eine Fähre über den Vierwaldstättersee.

Und noch meine Route heute. War gemütlich, aber ich habe ja viel zu wenig geschlafen:

https://www.komoot.com/de-de/tour/3006907115

Ich brauche morgen Kekse.

Tag 2 - 28. August 2026 - Urnersee

Alles hängt vom Wetter ab. Ich schaue ständig auf diesen Regenradar. Bis 12:00 Uhr kann ich wohl im Trockenen radeln. Nach 8 Stunden Schlaf ist es 5:30 Uhr in der Früh. Mit der Stirnlampe packe ich alles zusammen. 40km später erwische ich die 9:00 Uhr Fähre über den Vierwaldstättersee.

Auf der Fähre treffe ich Reiseradler. Da ist zum einen der sächsische Rentner auf seinem Liegerad, der von Hotel zu Restaurant radelt und fast kein Gepäck braucht. Das überdachte Übernachten (im Folgenden kurz: üÜ) kostet hier ab 180 Euro. Ich hab mich immer gefragt, wer sich das hier alles leisten kann. Es sind die Sachsen.

Und dann zwei Mainzer Studenten mit alten Rädern und den Packtaschen vom Aldi. Zum Übernachten fragen sie den Bauern und gegessen wird Marmeladenbrot. Also, ich find beide Konzepte cool.

Jetzt ist die Straße an dem steilen Südufer für Räder gesperrt. Aber es gibt gar keinen anderen Weg. Ich ignoriere die Schilder und fahre auf dem schmalen Standstreifen und lasse die großen Laster an mir vorbeidonnern. Letztes Jahr bin ich mit dieser Einstellung ein paar Kilometer Autobahn gefahren und ganz offensichtlich habe ich nichts daraus gelernt. Später erzählt mir der Sachse, dass es einen Shuttle mit Anhänger gibt, der mein Rad transportiert hätte. Wissen ist Macht, Nichtwissen macht nichts.

Nach 60km plus Speedshopping bin ich 11:00 auf dem Camping am Urnersee. Das Mädel an der Rezeption bewilligt meinen Übernachtungswunsch, mit der Einschränkung, dass ich das Zelt erst abends aufbauen darf. Die Zeltwiese würde für skitsurfer gebraucht. Es gibt eine kurze Diskussion und sie will den Chef holen. Der hat dann die grandiose Idee, mir einen normalen Stellplatz zu vermieten, zur sofortigen Installation. Für manches braucht man eben doch Abi.

Morgen geht's richtig in die Berge. Hier vom See direkt auf 2300mh. Habe alles gut vorbereitet und bin auf Rückenwind eingestellt.

Das Unwetter ist schon hinüber. Kurz war es knackig laut im Zelt, so ist es heruntergeprasselt.

Fast hätte ich es vergessen: die Route https://www.komoot.com/de-de/tour/3006941018

Tag 3 - 29. August 2026 - die Berge hoch

Es geht ein Stück am See lang. Der Aldi macht erst in einer Stunde auf. Es geht dann schön stramm den Berg hoch. 20 Prozent Steigung den matschigen Kiesweg hoch frisst die Akkus leer.

Richtig tolle Berge, und unten im Tal liegt der Vierwaldstättersee. Schweiz halt. Oben auf dem Pass interessieren sich die Kühe für mein Transportmittel. Einer Kuh gelingt es, die Lebensmitteltasche aus der Seitentasche zu züngeln. Dann sind es drei Kühe, die alles einsabbern und ihre ungewaschenen Hälse am wehrlosen Radl reiben. Überall ist Kuhschleim. Meine Versuche in Autorität werden wegignoriert. So werde ich nie zum Vegetarier.

Man grüßt sich. Grüezi. Darf ich zurück grüezien? Oder ist so ein kulturelles Dingens. Bis jetzt versuche ich durch gutturales Nuscheln Kompromisse zu finden. Der Sachse von gestern macht die gesamte Kommunikation auf Englisch. Weil es nicht anders geht.

Jetzt hat es mich einmal hingepatscht. Auf so einem Metallwasserweiterleiterohr. Ich bin gleich wieder aufgestanden und habe nicht geweint. Ich bin mit einem blauen Knie davongekommen.

Ich war ganz stolz, dass ich diesen Pass mit dem Anstieg von 1800HM ganz geschafft habe. Schnell ins Tal zum Migros. Einkaufen für Sonntag. Dann noch 900m zu Pragelsattel. Ich hatte mich auf Flüsterasphalt gefreut, aber es schotterte aufs gröbste. Die letzten 2km bin ich neben dem Fahrrad gelaufen.

3,5 Akkus habe ich heute gebraucht. Und das erste was der Camping stolz verkündet: es gibt keinen Strom. Es gibt ihn aber schon. Man muss aber dem Platzwart unquittierbare 3 Franken geben, dann darf ich an seinen Energiequelle.

Das war ein echter Sahnetag. Die Landschaft absolut Premium . Jetzt warte ich auf den Muskelkater und schnell in den Schlafsack.

Hier noch schnell Routen. Heute sind es zwei.

https://www.komoot.com/de-de/tour/3007048725

https://www.komoot.com/de-de/tour/3231564830