Tag 10 - 5. September 2026 - über den Berg nach Turin

Ein ganz schlichtes Programm: 30km berghoch und 30km wieder runter. Komoot will meine Gutgläubigkeit testen, aber diesen einen Abhang war mir zu gefährlich. Also 8km zurück.

Jetzt hätte es ein gemütlicher Abend werden können, aber ich stehe vor dem einzigen Lebensmittelladen in Trun, wo ich Zelten will. Um 16:00 Uhr ist es schon geschlossen. Es ist Samstag und ich bin foodtechnisch leergelaufen. Ich frage im Restaurant und der super nette Koch backt mir 1kg Brot auf und gibt mir für wenige Franken noch 500g Käse mit. Chatgpt sagt, dass es reicht, aber nicht sehr ausgewogen ist. Ich habe zurückgeblöfft, dass mir ein Obstsalat auch lieber wäre.

Hier die Route, unkorrigiert: https://www.komoot.com/de-de/tour/3013955956

Tag 11 - 6. September 2026 – Andermatt

Heute kenne ich den Zielort mit seinem Namen: Andermatt. Es hat aber keiner wissen wollen.

Zum Frühstück gibt es das erste Käsebrot. Vorräte sind vorhanden. Der Weg holpert auf der einen Talseite, der große Sonntagsverkehr auf der anderen.

Das geht nicht lange so und ich muss mich auf der großen Durchgangsstraße einreihen. Heute führen die Schweizer ihre Schätze aus. Die Ferraris, Lotusses, Skoda Rapids röhren an dem ehrlichen Radfahrer vorbei, als ob es nie einen Klassenkampf oder eine Revolution gegeben hätte. Ich stecke mir Ohropax in die dafür vorgesehenen Öffnungen und schaue nach vorne rechts. Ich bin so viel zu früh auf dem Camping. Eine Wiese neben der Straße.

Dieses Andermatt passt jetzt zur Gesamtgemengelage. Da gibt's ein paar schöne alte Häuser, aber wo man eine Fußgängerzone vermuten könnte, lawint sich das teure Blech hindurch.

Bevor ich's vergesse. Hier ist der Anfang, der Ursprung, also die Quelle: vom Rhein. Also unser aller Rhein, hier fängt alles an. Wissen macht wow. Ansonsten ist es halt ein Bächlein.

In 5 Minuten geht die Wahl in Sachsen Anhalt zu Ende. Wenn wir stattdessen auf der Zeltwiese wählen würden, dann kämen ganz vernünftige Ergebnisse raus. Das sind lauter nette Leute. Viele Jugendliche, die mit sportlichen Bikes unmotorisiert ihr Zelt die Pässe hoch schleppen.

Zum Abendessen gibt's Käsebrot. Die Vorräte wollen nicht zu Ende gehen. Jetzt sagt ihr natürlich alle, dass ich ja wohl in Andermatt essen gehen könnte. Ja, schon, aber. Das Schnitzel für 39 Euro schmeckt mir nicht und Spaghetti für 32 Euro bekomme ich noch selber auf dem Kocher hin. Es gibt wohl auch ganz normale Preise in der Schweiz, aber nicht in der Nähe von Touristen.

Die Route auf Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3013957343

Tag 12 - 7. September 2026 – Sustenpass

Auf diesen Sustenpass war ich sehr gespannt, da er fast ohne Asphalt fahrbar ist. Es regnet und es schwitzt sich gut in den Regenklamotten berghoch. Nach einer halben Stunde ist aber schon Schluss. Der alte Sustenweg wurde gesperrt wegen Bauarbeiten. Ich muss fast 300 HM zurück auf die eigentliche Straße. Leider passiert dasselbe ein gutes Stück weiter oben noch einmal, sodass ich sinnlose Höhenmeter sammle. Aber irgendwann habe ich freie Bahn, die Sonne kommt raus und ich kann ganz alleine in dem wunderschönen Tal radeln.

Es gibt eine Abzweigung zurück auf die Straße oder den Versuch, auf dem alten Weg über den Pass zu kommen. Das mache ich, weil ich noch nicht weiß, dass zumindest die letzte 200m ich das Gepäck vom Fahrrad nehme muss und alles einzeln hochtragen.

Wer sein Leben liebt, der schiebt.

Heute ein letztes Mal das Zelt aufbauen. Morgen kann ich keine Absperrungen und Umwege gebrauchen. Es geht aber schon ordentlich nochmal den Berg hoch. Mein Zug fährt 16:30 Uhr in Interlaken ab.

Die gemachte Tour mit allen Irrungen und Wirrungen: https://www.komoot.de/tour/3265500127

Tag 13 - 8. September 2026 - zurück nach Interlaken

Letzter Tag. Einen großen Pass muss ich noch hoch, keine Pannen, keine Umwege. 16:29 muss ich in Interlaken am Bahnhof sein und werde wohl viel zu früh da sein, weil ich ein Schisser vor dem Herrn bin, was das Zuspätkommen angeht. Ich will mich auch zivilisieren, damit nicht ein homo heidelbergensis im Zug sitzt. Ich nutze einen Brunnen und mein Viskosetuch, um alles einmal vom größten Dreck zu beseitigen. Das Zelt packe ich morgens patschnass ein und baue es mittags in der Sonne auf, damit ich es trocken heimbringe. Nochmal Klamotten wechseln. Es sind 31 Grad und ich tendiere olfaktorisch zum Gorgonzola.

Das Rad hat super mitgemacht. Außer Bremsbeläge und Riemenreinigen musste nichts gemacht werden. Und das im 9. Jahr und der 15. Reise mit derselben Ausrüstung. Die Akkus sind etwas schlapper. Aber vielleicht sind es auch nur meine Beine.

Jetzt sag ich tschüss und vielen Dank fürs Mitradeln.

Die Schlußrunde: https://www.komoot.com/de-de/tour/3032019620