Tag 7 - 2. September 2026 – Livigno

Buon Giorno. Jetzt bin ich in Italien und das hatte ich irgendwie nicht auf dem Schirm. Aber ich kann heute Abend in Livigno mit Euros einkaufen ohne den Blick auf die Bückware zu beschränken. Der Zeltplatz wird auf fast 2000mh liegen und es wird die kälteste Nacht meiner Reise werden.

Ich bin 50km nur auf Waldwegen und Schotter unterwegs und es schon cool, dass ich diese Strecke allein mit dem Rad fahren kann. Ich hab's geknipst und gefilmt. Das muss als Beschreibung reichen.

Jetzt hat dieses Retorten-Livigno mit seinen tausenden Hotelbetten einen einzigen Lebensmittelladen. Und es gibt da kein Brot, kein Käse, keine Eier. Nur Snacks und Kaltgetränke exotischer Couleur. Es wird ein karges Mal heute Abend. Und ich freue mich schon auf das schweizerische dunkle Brot und den guten Joghurt.

Um 20:00 Uhr gebe ich auf und schnell in den Schlafsack. Es ist zu kalt. In 2 Stunden muss ich wieder raus und die Akkus von der Ladestation einsammeln.

Tag 8 - 3. September 2026 - Berninapass und Engadin

Schon in der Nacht musste ich nachlegen und die Daunenjacke in den Schlafsack nehmen. Knapp über null ist es am Morgen. Ich habe wirklich alles an, auch die Regenklamotten helfen gegen den Wind.

Es geht zwei Pässe hoch, den Furkapass und den Berninapass. Da wird mir wieder warm. Und dann beginnt eine recht wilde Schotterstrecke mit vielen Schiebepassagen. Aber schön ist es schon. Links der Gletscher und rechts der Berninasee. Nach 4 Stunden habe ich 20km geschafft und 50km fehlen noch.

Abends noch einmal hoch über den Albulapass und jetzt bin ich auf einem kleinen Waldcamping. 1 Klo, 1 Dusche, 1 Steckdose. Passt, mehr braucht kein Mensch.

Die Route auf Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3009039550

Tag 9 - 4. September 2026 - Schmale Wege zur Rheinschlucht

Ich hasse es, wenn mich die Leute fragen, warum ich so viel Gepäck dabei habe. Ich habe 1x Unterwäsche Ersatz. Abends wird in der Dusche T-Shirt und Schlüpper mit gewaschen. Nass verpackt und am nächsten Tag getrocknet. Dafür habe ich sogar Kleiderbügel a 10 Gramm mit. Ja, ich habe viele Spielsachen mit. In meinem Alter braucht man das: 1 Kamera, 1 Videokamera mit Funkmikrofon, 1 Drone und 1 Stativ.

Luftlinie sind es heute nicht so viele Kilometer, aber ich will in ein Tal fahren auf alten Schmugglerpfaden. Ein Fußweg in den Fels gegraben mit vielen Tunnels und wahrscheinlich etwas schieben für meinen Fahrradtransporter.

Gerade hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Schweizer auf dem Zeltplatz. Der Pfad, auf dem ich heute unterwegs war, nennt man hier Polenweg . Im 2. Weltkrieg hatten Flüchtlinge Arbeit bekommen. Meist in der Landwirtschaft, aber oft auch im Wegebau. Und so ist dieser etwas sinnfreie Weg gar nicht so alt.

Der Weg auf Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3013753075